Chronik

Ein geschichtlicher Rückblick
von Altobfrau Maria Rauch

 

Eigentlich ist unsere Volksbühne schon älter als 75 Jahre, denn 1903 gründete der damalige Schuldirektor Hans Oberforcher eine NIKLAS GESELLSCHAFT und das Nikolausspiel wurde in diesem Jahr 5mal in Wirtsstuben in Mayrhofen aufgeführt und als Gastspiel in Finkenberg, Brandberg, Hippach, Zell und Stumm.
Anfangs der 20er Jahre wurden unter Dir. Oberforcher bereits die Stücke: Geierwally, Genoveva und Die Räuber vom Glockenhof in einer Gasthausveranda beim Glasner, jeweils im Herbst, gespielt.
1924/25 war es „Kramer Franzal“, der nach einer geschichtliche Fassung das Spiel: die Zillertaler Auswanderer zu einem echten tirol. Schauspiel formte und es wurde mit großem Erfolg des öfteren in Mayrhofen und anderen Orten aufgeführt. In dieser Zeit kam es dann zu einem brauchbaren Theatersaal im Cafe Dengg, das Eröffnungsspiel war „Andre Hofer“ von Franz Kranewitter.
Und so wurde im Jahr 1930 die Theaterbühne des Christl. Deutschen Turnvereins Schwarzenstein in Mayrhofen gegründet, denn viele junge Bürger wollten neben ihrer sportlichen Tätigkeit das Volkstheater weiterpflegen. Der Obmann der Turnerschaft Jakob Hausberger, vulgo Schuasta Joggal, war gleichzeitig Spielleiter der Theaterbühne. Das erste Stück war des Gmoalump mit 3 Aufführungen.
Die ersten Spieljahre zeichneten sich durch bes. Fleiß und große Spielfreude aus:
z.B. 1931: 5 verschiedene Stücke, 1932 sogar 9, die Preise waren:
1. Platz: 1,20 S
2. Platz: 1,-
Galerie: 0,80 S
Arbeitslose hatten 50% Ermäßigung
Aber das Arbeiten wurde besonders gezeichnet durch die äußerst schlechte Wirtschaftslage in Österreich. Oft war nur eine Aufführung von jedem Stück möglich.
Auch die damals politische Lage machte sich durch einen Boykott gegen die Spiele merklich spürbar. Es kam zum Umbruch, Anschluß an das Großdeutsche Reich, man hat das gesamte Spielinventar beschlagnahmt und schließlich die Tätigkeit des Spielens verboten.
Von 1938 – 45, in den Kriegsjahren also, waren die Spiele vollkommen eingestellt.
Ab dem Kriegsende wurde der Name der Spielgemeinschaft auf Volksbühne Mayrhofen geändert und ein gewaltiger Auftakt stand im Raum. Unzählige Stücke wurden gespielt und ein volles Haus war immer gesichert, bis 1959 die Volksbühne neuerlich ein schwerer Schlag traf. Auf den Kaffeehausbetrieb mit Bühne „Cafe Dengg“ kam ein neuer Besitzer, seine Forderungen konnten nicht angenommen werden und so kam es zur Aufkündigung der Spielbühne.
Und das Dasein noch zu beweisen wurde ein Freilichtspiel zum Tiroler Jubiläumsjahr einstudiert, nämlich Peter Sigmeir, der Tharerwirt von Olang von Franz Abler und Toni Bichler. Die musikalische Umrahmung des Spieles hatte ein Bläserensemble von der Brigademusik 6, Innsbruck unter dem Brigadekapellmeister Siegfried Somma.
In dieser Zeit wurde auch das Nikolausspiel wieder in den Wirts- und Bauernstuben aufgeführt.
Von 1967 – 72 waren auf dem Kaffeehausbetreib zwei neue Pächter, die sogar um einige Stücke gebeten haben.
1978 wurde das Stück: Bis die Uhr zwölfe schlägt nur in Brandberg und Lanersbach unter der Regie von Jakob Kröll aufgeführt.
In diesem Jahr schrieb der damalige Obmann Dir. Franz Gruber: „Wir hoffen, dass die im Gange befindlichen Planungsarbeiten bald zu einem guten Ende gebracht werden können. In zwei Jahren kann unsere Volksbühne ihr 50 jähr. Bestehen begehen und wir wüßten uns kein schöneres Geburtstagsgeschenk als einen Veranstaltungssaal, der uns die Wiederaufnahme des Spielbetriebes auf heim. Boden ermöglicht.“
1979/80 verwirklichte sich der Wunsch, das Europahaus wurde als Veranstaltungszentrum gebaut durch den verdienstvollen Einsatz des Bürgermeisters Franz Hausberger und seiner Gemeinderäte.
Somit hatte die Volksbühne ihre Wirkungsstätte bekommen und eröffnet ihr neues Wirken mit dem Singspiel „Veronika“ von Streicher und Jaksch.
Bei diesem Rückblick dürfen wir einen Namen nicht vergessen, nämlich Jakob Kröll, vulgo Schmalzer Joggal, der für die Volksbühne unwahrscheinlich Großartiges leistete: als Spielleiter von 1931 bis 1983, als Spieler und Chronist. Noch heute wird unter uns Theaterleuten sein Name oft genannt und seine Arbeit hoch geschätzt.
Unermüdlich ist seither das Wirken der Volksbühne. Jährlich wurden und werden mehrere Stücke gespielt, vor allem Lustspiele, aber auch ernste Stücke und Theaterstücke mit und für Kinder, sowie Besinnliches im Advent.